Kategorie: Abstract FFK2017 (Seite 2 von 5)

Akrami, Hamid Reza

“Black Mirror” a warning message about the future of the ICTs

The internet and ICT have affected many aspects of life in the 21st century, and new developments in areas such as Artificial Intelligence, Augmented Reality, Internet of Things, Internet of Everything, etc. promise an even greater role for state of the art ICT in human life. These technologies and the (speculated) ways in which they affect our lives have been represented in different TV and cinema productions, with different perspectives. “Black Mirror”, is one of the TV series that specifically reflect on this issue, with many examples of how the already established or (far) future ICT services can change human life, behaviours and habits, social practices, and even values and beliefs.

The series, which consist of 3 seasons (3 episodes in season 1, 3 episodes in season 2, a special episode after season 2 and 6 episodes in season 3) was broadcast from 4 December 2011 to 21 October 2016 by Channel 4 (United Kingdom) and Netflix (season 3). While the series try to show how the new technologies can, in positive or negative ways, affect human life, the question is how this set of standalone episodes frame new technologies, whether it is considering them as positive improvements in human life or it has a critical view of their side effects; whether it portrays application of the new ICT services as appropriate or it is over pessimistic about the improper and violent use of them by political powers, or if it worries about how misuse of such technologies can lead to chaotic situations in different societies.

This research tries to answer these questions by performing content analysis on all 13 episodes. The results reveal that the series is depicting new technologies as rather harmful or uncontrollable phenomena, mostly misused, and causing human beings more trouble than good. This seems to convey a warning message, as to how dangerous such technologies could be for human kind.


Hamid Reza Akrami

Hans-Bredow-Institut

Wagner, Franziska

(Un)Doing Reality – Zum Konstruktionscharakter von Geschlecht und (filmischer) Realität in den Filmen von Xavier Dolan

Anhand der Betrachtung von Filmen des frankokanadischen Regisseurs Xavier Dolan sollen neue Perspektiven auf den Zusammenhang zwischen der Verhandlung von Geschlechtsidentitäten um die Konstruktion und das Verhältnis zu (filmischer) Realität sichtbar gemacht werden. Dolans Filme werden dabei insgesamt als Positionen zu der performativ und reflexiv ausgestellten Herstellung filmischer und geschlechtlicher Realität gelesen. Konsequenterweise wird nicht nur die Figuren- und Inhaltsebene analysiert, sondern auch die ästhetische Form und das Zusammenspiel dieser Ebenen. Die Kategorisierung Dolans als „queerer“ Regisseur spielt somit weniger eine Rolle als die vielfältigen Referenzen zum filmhistorischen und -theoretischen Kanon. Ziel ist es daher, durch ausgewählte Filmbeispiele Dolans über (film-)theoretische Ansätze zu reflektieren und diese unter dem Aspekt der Geschlechter- und Realitätskonstruktion zu situieren, wobei vor allem Judith Butlers Performativitätstheorie sowie Jean Baudrillards Simulationstheorie eine zentrale Rolle zukommt. Mit Hilfe verschiedener Hinweise auf den filmhistorischen Kanon, sowohl ästhetischer, als auch textbezogener Natur, gelingt es, in den Filmen ein System an Referenzen zu kreieren und insgesamt Realität sowie Geschlecht zu de_konstruieren. Im baudrillardschen Sinne sind demgemäß unterschiedliche Modelle und Codes in Dolans Filmen vorzufinden, die sich in einem komplexen System neu kombinieren. Zumal diese Codes im Simulationsmodell an Stelle des Repräsentationssystems rücken, sind sie nicht in der Lage eine „altbekannte“ Realität abzubilden, sondern lediglich ihre eigene zu entwerfen.


Franziska Wagner: Studium der englischen und amerikanischen Literaturwissenschaft mit Nebenfach Wirtschaftswissenschaften von 2010 bis 2014. Anschließendes Masterstudium im Studiengang Literatur und Medien an der Universität Bayreuth mit Einreichung der Masterarbeit im September 2016.

Forschungsinteressen: (Feministische) Filmtheorie, Queer und Gender Studies, Postkoloniale Theorie, Postmoderner Film, mediale Wirklichkeitskonstitutionen und –konstruktionen.

Wehmeier, Henrik

Medialität als Pharmakon. Filmische Injektionsszenen als Kristallisationspunkt des Rauschdiskurses

Spätestens seit der Entwicklung synthetischer Drogen stellt der Rausch eine Grenzverschwimmung zwischen dem Natürlichen und dem Technisch-Künstlichen dar. Der Diskurs ist dabei deutlich älter, so spricht Platon vom Pharmakon, dass in seiner Künstlichkeit dem natürlichen Heilungsprozess hemmen würde – und fasst im Phaidros auch die Literatur als Pharmakon auf, was oft rückprojizierend als erste Medienkritik bzw. -theorie gelesen wurde. Es ist die Doppeldeutigkeit zwischen Gabe und Gift, die die Produktivität des Begriffes ausmacht, etwa um den Wandel von Heroin vom medizinischen Mittel zur gefürchteten Droge nachzuzeichnen. Gleichzeitig verweist er auf zentrale Momente des Rauschdiskurses, neben der erwähnten Künstlichkeit und der Fokussierung des Mischverhältnisses kreist er um das Motiv der technischen Einschreibung in den Körper. Der geplante Beitrag will anhand des Begriffs einem Kristallisationspunkt des filmischen Rauschdiskurses nachspüren: der Injektionsszene. Der Einstich in die Haut sowie die Injektion der Droge stellen einen zentralen Moment zahlreicher Rauschinszenierungen dar. Er wurde mit The Man with the Golden Arm (USA 1955) früh ein Grenzfall im Disput über Zensur. Wurde offen gezeigt in Suchtdramen wie The Panic in Needle Park (USA 1971) oder Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo (BRD 1981). Und wurde schließlich künstlerisch verfremdet und experimentell in Szene gesetzt in zeitgenössischen Filmen wie Trainspotting (GB 1996) oder Requiem for a Dream (USA 2000). Die Injektionsszenen verweisen damit auf die oft konstatierte Wiederkehr des Körpers. Diese Körper, also u.a. Figurenkörper und Filmkörper, sind jedoch in ihren Existenzweisen verschränkt mit technischen Aspekten und tragen so das Pharmakon der Medialität in sich, wie der Beitrag in Rückgriff auf kulturgeschichtliche Aspekte sowie der genannten filmischen Beispiele aufzuzeigen versucht.


Henrik Wehmeier: Studium der Germanistik und Philosophie mit Schwerpunkt Theater und Medien an der TU Dortmund sowie der Universität Hamburg; von 1/2014 bis 9/2014 wiss. Mitarbeiter am Institut für Medien und Kommunikation der Universität Hamburg; seit 10/2014 Stipendiat des Doktorandenkollegs Geisteswissenschaft der Universität Hamburg mit dem Promotionsthema der filmischen Inszenierung von Rausch und deren medientheoretischer Dimension.

Kling, Juliane

„Wohl bin ich ein Wald und eine Nacht dunkler Bäume…“

Eine phänomenologische Betrachtung des filmischen Waldes nach Gernot Böhmes Begriff der Atmosphäre

Gernot Böhme charakterisiert die Atmosphäre als gemeinsame Wirklichkeit des Wahrnehmenden und des Wahrgenommenen. Zum einen ist sie damit die Wirklichkeit des Wahrgenommenen als Sphäre seiner Anwesenheit und wird zum anderen zur Wirklichkeit des Wahrnehmenden, indem sie von ihm durch seine affektive Betroffenheit erfahren wird. Das „Was-sein“ einer Atmosphäre konstituiert sich dabei durch die Wahrnehmung des Subjekts einerseits sowie durch das Zusammenspiel der Eigenschaften des Objekts andererseits. Die symbolisch und mythologisch aufgeladene Natur des Waldes soll in diesem Vortrag als Beispiel dienen für eine wirkungsästhetische Untersuchung des von Böhme dargelegten Begriffs der Atmosphäre. Aus phänomenologischer Perspektive sollen exemplarische Filmbilder des Waldes (Die Dunkle Seite des Mondes. DE/LUX 2015, R: Stephan Rick; Die Wand. DE/AT 2012, R: Julian Pölsler; Antichrist. DK/DE/FR/SE/IT/PL 2009, R: Lars von Trier) besprochen und hinsichtlich ihrer atmosphärischen Ausdruckskraft diskutiert werden.


Juliane Kling (M.A.), Studium der Germanistik und Kunstwissenschaft an der Universität Kassel (2008-2011) sowie Literatur und Medien an der Universität Bayreuth (2011-2013). Seit 2014 Doktorandin an der Professur für Medienwissenschaft der Universität Bayreuth. Betreuung: Prof. Dr. Matthias Christen.

Forschungsschwerpunkte: Medienästhetik, Naturästhetik, Phänomenologie.

Promotionsprojekt: Mit Leib und Seele. Filmische Naturerfahrung im Zeichen einer ökologischen Naturästhetik.

Pinkert, Aileen

Dem Blick entzogen – Über Ahnungslosigkeit und (Un)sichtbarkeit in Birdman

Konstituiert in einem stetigen Spannungsverhältnis zwischen Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit erprobt Alejandro González Iñárritus Film Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit) (USA, 2014) in expliziter Weise die Grenzen zwischen filmischem On- und Off-Raum. Emmanuel Lubezkis Kamera erweist sich dabei als überaus dynamisch, gleitet sie scheinbar verselbstständigt kontinuierlich und ohne Schnitt durch Raum und Zeit. Distanziert folgt sie Riggan Thomson durch Theaterflure oder geht dem Protagonisten wohlwissend voran, in einem stetig dekadrierendem Bildausschnitt, der Figuren und Gegenstände entweder ins Bild rückt oder sie ins nicht mehr sichtbare Off verschiebt. In weiten Teilen als eine einzige Plansequenz getarnt, kann Birdman als filmische Anti-These gelesen werden. Zeitliche Sprünge ergeben sich während eines Reißschwenks, eines Lichtwechsels oder mit dem (Wieder-)Auftauchen einer eben aus dem Bildkader verschwundenen Figur.

Zweifellos stellt Birdman die Erwartungen der Rezipient_innen auf die Probe. Darüber hinaus werden Antizipationen eines angetäuscht kurz bevorstehenden Endes enttäuscht, wenn dieses nicht eintritt, sich die Kamera stattdessen unentwegt fortbewegt, und sie gerade in ihrer Nichtsichtbarkeit selbstreflexiv auf sich selbst verweist.

Neben den formalen Stilmitteln zur Konstitution eines ambivalent gestalteten filmischen On/Off (u.a. Adachi-Rabe, Schaub) soll in diesem Vortrag ebenso die Frage nach den unbefriedigten Erwartungen des Kinopublikums im Mittelpunkt stehen. Einer Typologie ausgelassener Filmbilder zugehörig scheinen Alfred Hitchcocks nicht aufgelöste MacGuffins ebenso wie narrativ entscheidende Momente in Birdman, die auditiv hörbar, visuell lediglich angeschnitten oder gänzlich im Off stattfinden. Dieser Beitrag will versuchen, enttäuschte Erwartungen auf Seiten der Rezipient_innen filmphänomenologisch als ambivalente Paradigmen einer unangenehmen Ästhetik des Films zu deuten und zu untersuchen.


Aileen Pinkert studierte Medienkultur und Medienwissenschaft an der Bauhaus-Universität Weimar und der Universiteit Utrecht. Seit 2014 ist sie Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Medien und Kommunikation der Universität Hamburg. 2013-2014 war sie Lehrbeauftragte an der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig. 2012-2014 arbeitete sie als Redakteurin eines Fachverlags und als Produktionsleiterin bei einer Film- und Fernsehproduktionsfirma.

Hanstein, Ulrike

Bildbewegungen und Bootleg-Überlieferungen: Tanz, Video, Film

Gegenstand meines Vortrags ist der elfminütige Film It’s Aching Like Birds (2001), den die Performance-Gruppe Goat Island gemeinsam mit der Filmemacherin Lucy Cash entwickelt hat. Grundlage des Films ist die von Goat Island zwischen 1999 und 2003 entwickelte Performance It’s an Earthquake in My Heart. Der auf 16mm gedrehte und digital nachbearbeitete Film ist kein ‚Mitschnitt‘ einer Aufführung. Für die Produktion des Films wurden einige Aktionen der Performance in einer Turnhalle und in einem leeren Haus – für die Kamera, ohne Publikum – ausgeführt. Gegenüber der Performance verfassen die filmischen Bildbewegungen und die Montage neue Beziehungen zwischen Texten und Choreographien, räumlichen Anordnungen und thematischen Wiederholungen, Klängen und sichtbaren Objekten. Die visuelle Komposition der filmischen Einstellungen und ihre Anschlüsse vermitteln den Eindruck von Kontinuität. Durch die konstruierte Bewegungskontinuität treten für Zuschauer_innen die präzise choreographierten, doch ungelenk ausgeführten tänzerischen Bewegungen der Performer_in auffällig hervor.

Für die Performance It’s an Earthquake in My Heart haben die Mitglieder von Goat Island kurze Bewegungsfolgen aus Pina Bauschs Tanztheaterstück Café Müller (1978) eingeübt. Zum Erlernen der Choreographien benutzten sie eine Videoaufzeichnung des Stücks. Videomitschnitte von Café Müller kamen in Umlauf, nachdem eine vom Norddeutschen Rundfunk 1985 produzierte Dokumentation im Fernsehen gesendet worden war.

Mein Beitrag analysiert It’s Aching Like Birds mit Blick auf die medientechnischen Übertragungen und die medienästhetischen Übersetzungen zwischen dem Tanztheaterstück, dem Video, der Performance und dem Experimentalfilm. In It’s Aching Like Birds entwirft die montierte, zeitgebundene Form der filmischen Bilder neue Beziehungen zwischen der Dauer verkörperter Bewegungen, den bewahrenden Objektbezügen der technischen Aufzeichnung und der beständigen Veränderung von Materialanordnungen in der Zeit.


Ulrike Hanstein ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Seminar für Kunstgeschichte und Filmwissenschaft der Friedrich-Schiller-Universität Jena und lehrt an der Hochschule für Musik und Theater Leipzig. Nach ihrer Promotion an der Freien Universität Berlin war sie Postdoktorandin am Graduiertenkolleg „Mediale Historiographien“ (Weimar, Jena, Erfurt), Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Bauhaus-Universität Weimar und Fellow am Getty Research Institute, Los Angeles.

Krstić, Igor

First Person Migrant: Autobiographical Documentary in the Age of Migration

According to Jim Lane, who studied The Autobiographical Documentary in America, ‘the authors of autobiographical documentary typically are not public figures; they are not artists with a large body of established work that may engender wide recognition or viewership’ (2002: 4). This sub-genre has thus largely been embraced by amateurs, sometimes also by ‘artist filmmakers’. It has evolved with the New American Cinema since the late 1960s, but it has become today, in times of digital media, a worldwide phenomenon. More and more filmmakers beyond the US address their ‘selfs’ and their family stories in these ‘first-person documentaries’, often to uncover buried family secrets (e.g. Stories We Tell, 2012), but frequently also to rework ‘immigrant suffering’, hence, the often painful memories that moving from one place to another brings along. In films such as A Hungarian Passport (Kogut, 2002), Domov (Hruza, 2008) or I for India (Suri, 2007), filmmakers put either themselves or their close family members in front of their ‘personal cameras’ (Rascaroli 2009). These first-person narrated ‘home movies’ present their filmmaker’s home-coming journeys, family reunions or identity quests and so acquire performative functions, for instance as public family therapies, on-screen confessions or autobiographies.

In my presentation I will sketch the burgeoning body of film scholarship on autobiographical documentary (Lane 2002; Renov 2004; Rascaroli 2009; Lebow 2012) as well as on (accented, diasporic or intercultural) migrant cinema (Marks 2000; Naficy 2002; Demos 2013; Berghahn 2013), in order to address in the third and last part the most important features of these films to answer the question why the ‘autobiographical impulse’ (Renov) has become such a wide-spread feature of documentary practice in ‘the age of migration’.


Igor Krstić studied literature at the University of Tübingen, after which he obtained an MA in Film and TV at the University of Amsterdam with a thesis on post-Yugoslav films supervised by Prof Thomas Elsaesser. In 2013 he completed his PhD with a dissertation titled ‚Slums on Screen‘ in the graduate programme ‘Formations of the Global’ at the University of Mannheim. From 2014 to 2016 he was a DAAD-Postdoctoral Researcher at the University of Reading under the supervision of Prof Lúcia Nagib.

Büttner, Christoph & Gregor, Felix T.

Offen für neue Perspektiven. Filmtheoretische Forschungsparadigmen im Dialog

Ein Workshop von Christoph Büttner (Universität Bayreuth) und Felix T. Gregor (Universität zu Köln)

Als das Ergebnis unterschiedlicher Paradigmen, mithin Theorieschulen heutiger medienkulturwissenschaftlicher Forschung, lässt sich für den filmwissenschaftlichen Diskurs eine Art ‚epistemologischer Friktionseffekt‘ beschreiben: Anstatt mittels verschiedener Denkschulen gemeinsam und produktiv über einen Gegenstandsbereich zu sprechen, ist häufig eine entgegengesetzte Tendenz zu beobachten. Untersuchungsgegenstände werden für die eigene (Sub-)Disziplin reklamiert und an die Stelle eines argumentativen Austauschs tritt oft die Auseinandersetzung über ‚richtige‘ Begrifflichkeiten, Sichtweisen und Deutungshoheiten. Im Grenzfall droht die Kommunikation vollends zu versagen oder zu versiegen und der gemeinschaftliche Austausch gar zu einem wissenschaftlichen Grabenkampf zu werden. Von solchen größeren oder kleineren Friktionseffekten sehen wir auch den film- und medienwissenschaftlichen ‚Nachwuchs‘ der Gegenwart, mithin das Film- und Fernsehwissenschaftliche Kolloquium, berührt. Ob beispielsweise Fragen zu Repräsentation, Narratologie und Gender oder Fragen zu leiblicher Erfahrung und Kinoaffekten untersucht werden, so finden sich am Ende meist die gleichen Kolleg*Innen in Panels zusammen, die wiederum entlang einer Differenz zwischen textualitätsbasierten und körperbasierten Theorieansätzen sortiert zu sein scheinen.

Bei einem genaueren Blick sind die analytisch meist sehr unterschiedlichen Paradigmen jedoch nicht zwingend theoretisch und/oder argumentativ unverträglich zueinander. Eher sorgen die Praktiken des wissenschaftlichen Alltags – etwa Selbstpositionierungen entlang bestehender Perspektiven seitens der Betreuer*Innen und Institutionen oder schlicht fehlende Zeit – häufig für das Nicht-Gelingen eines Dialogs untereinander. Aus diesem Grund zielen wir mit unserem Workshop auf die (Wieder-)Herstellung eines produktiven Austauschs, jenseits und trotz methodisch-analytischer bzw. begrifflicher Hürden. Wie können sich folglich zentrale theoretische Prämissen begrifflich für multiperspektivische Untersuchungen ‚übersetzen‘ lassen? Welche marginalisierten Argumente jeweils anderer Forschungsansätze können unsere eigene Sichtweise bereichern? Und wie können unsere Arbeiten es schaffen, offen, weiterhin aber präzise in ihren Beobachtungen zu sein? Da wir solche Fragen in einem Kurzworkshop natürlich nicht erschöpfend behandeln werden können, soll uns unsere Faszination für den Film und das Kino als Startpunkt dienen: Gerne möchten wir mit Euch anhand einiger Filmbeispiele überlegen, was uns an Filmen interessiert, vor allem aber auch welche gemeinsamen Fragen es sich zu stellen lohnt. Darüber hinaus würden wir uns besonders freuen, mit Euch im Gespräch zu bleiben und damit im Idealfall sogar den Anstoß für gemeinsame Forschungsprojekte zu geben.

Diskussionsvorschläge, Anregungen für Beispiele und generelle Überlegungen nehmen wir sehr gerne schon im Vorfeld unter christoph.buettner@uni-bayreuth.de und felix.gregor@uni-koeln.de entgegen.


Christoph Büttner, M.A. ist wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Professur für Medienwissenschaft an der Universität Bayreuth. Derzeit verfolgt er an der Universität Konstanz ein Promotionsprojekt zu Repräsentationen postindustrieller Arbeitswelten im deutschen Film. Sein Interessen-, Forschungs- und Publikationsschwerpunkt liegt im Bereich der vielfältigen Repräsentationsbeziehungen von Film, Sozialem und Politischem.

Felix T. Gregor, M.A. ist wissenschaftlicher Mitarbeiter und Doktorand am Institut für Medienkultur und Theater der Universität zu Köln. Sein Promotionsprojekt beschäftigt sich mit dem Verhältnis von Kapitalismus und seinen filmischen Bildern im gegenwärtigen Kino. Weitere Forschungsinteressen und Lehrschwerpunkte liegen in der Film- und Mediengeschichte (insbesondere Japan), Queer Theory und Medienwissenschaft und auf Fragen von Prekarität und Biomacht.

Denecke, Mathias

Zuschauerfigurationen zwischen Flow und Stream

Der Vortrag befragt, welche Funktionen Fließausdrücke in den Fernsehwissenschaften einnehmen. In Bezug auf Zuschauerfigurationen wird dazu einerseits der TV-Flow nach Williams (1975) fokussiert (und seine theoretischen Aktualisierungen vor dem Hintergrund medientechnischer Neuerungen), andererseits die werbelogischen Versprechen des streamings im Sinne des Internet-Fernsehens. Eine Gegenüberstellung von Flow und streaming unternimmt bereits Herbert Schwaab (2012). Er bezieht die jeweiligen Vorstellungen, die mit dem Zuschauen im Analogfernsehen und im Internet-TV einhergehen, aufeinander. Konkret beschreibt er den Flow des Fernsehens und grenzt ihn vom Internet-TV ab, da hier ein solcher nicht ausfindig zu machen ist. Um diese Unterscheidung zu unterstreichen nehmen Ausdrücke und Formulierungen, die mit dem Fließen verbunden sind, eine wesentliche Rolle ein. In seiner Argumentation findet der Aspekt des mithin metaphorischen Charakters des Fließens jedoch keine Beachtung.

Ebendiesen gilt es in den Blick zu nehmen. Der Vortrag sucht zu zeigen, dass Fließausdrücke im Vergleich von Analogfernsehen und Internet-TV dazu tendieren, eine gewisse Deutungsoffenheit mitzuführen und die angestrebte Unterscheidung unterlaufen. Die Rede vom Fließen – so die These – verunklart die Unterscheidung zwischen Analogfernsehen und Internet-TV. Der Vortrag analysiert die vorausgesetzte Evidenz der Fließausdrücke. Ziel ist, die Trugbilder technischer Vermittlungen zu problematisieren.


Mathias Denecke erhielt seinen B.A.- und M.A.-Abschluss in Literatur-Kunst-Medienwissenschaften (Konstanz). Seit 2014 arbeitet er als Doktorand am Digital Cultures Research Lab (DCRL) Lüneburg. Sein Projekt «Wirklichkeiten der Vermittlung» befasst sich mit der Analyse von Fließausdrücken, die im Zusammenhang mit technischer Vermittlung eingesetzt werden. Ziel ist, Trugbilder der Vermittlung auf ihre historischen Fluchtlinien hin zu befragen.

Astafeva, Tatiana

This Ain’t California: German Ostalgie in the Context of Nostalgic Cinema

Nostalgic cinema is a multifaceted category that involves films of various genres like costume drama or heritage film and such concepts as pastiche or remake. What unites this wide variety under one definition is not only the usage of nostalgia in the narrative of a film, but also cinematic techniques which allow to construct nostalgic representations.

A remarkable flourishing of nostalgic cinema in Germany after the Fall of the Wall, so called ostalgie films, was to a great extent one of the ways to reflect on the past with the help of filmmaking, to expose a wide range of incipient problematic issues and reveal an important transformation within the German society. As a result, German ostalgie cinema of the 1990-2010s is almost exclusively analyzed in the context of the problems of identity, memory and historical authenticity. The aim of the paper is to deepen such an analysis by exploring cinematic features of the German ostalgie cinema and to locate it in (or out?) the multifaceted landscape of contemporary nostalgic cinema.

The case study of Martin Persiel’s This Ain’t California (2012) reveals that the film does not simply use nostalgia in its narrative in order to romanticize the past and idealize history; it actively employs aesthetic and cinematographic means to comment on the notions of nostalgia, memory, and identity. More than that, the film represents the potential to reflect on the mechanisms of nostalgia and nostalgic cinema itself, showing at the same time how this nostalgic emotion can be manipulated.


Tatiana Astafeva is a Ph.D. student at the Film University Babelsberg Konrad Wolf in Potsdam and a member of a scholarship program at ZeM – Brandenburgisches Zentrum für Medienwissenschaft. Her current research is focused on the various uses and cinematic peculiarities of Ostalgie in the German cinema of the 1990-2010s. She received her Bachelor degree in philosophy and Master degree in history from National Research University – Higher School of Economics in Moscow, Russia.

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