Autor: ffk-adm (Seite 1 von 5)

Richter-Hansen, Tullio

(As) Queer As Weird. Ästhetik des Absurden im Krisen-Kino

Trotz wiederholter Einwände ist dem Begriff und wissenschaftstheoretischen Konzept der Queerness weiterhin eine gewisse Persistenz zu attestieren. Ähnliches gilt für das „New Queer Cinema“, das dessen Erfinderin B. Ruby Rich zwar unlängst als temporäres Phänomen eingegrenzt hat (Rich 2000), das ohne das vorangestellte Adjektiv jedoch zumindest als Label fortbesteht. Gemäß der Forderung Judith Butlers, „queer“ als operativen Kritikbegriff und damit als beständiges Überdenken auch der eigenen Positionen zu verstehen (Butler 2012), ist die Frage nach dem queeren Kino neu anzuvisieren.

Im Zusammenhang mit filmischer Ästhetik sind Begriffe wie „weird“, „strange“ und „absurd“ bisher vornehmlich in Bezug auf Genres – etwa Horror und Exploitation/Trash – oder Individualstile – etwa Alejandro Jodorowsky und David Lynch – profiliert worden. Dies wird um den Vorschlag erweitert, angesichts jüngerer Tendenzen im europäischen Kino zur Krise, insbesondere der Greek Weird Wave (vgl. Psaras 2016), eine Neukonturierung von Queerness als spezifisch filmästhetische Weirdness zu begreifen. Filme wie Yorgos Lanthimos’ KINETTA (2005), Athina Rachel Tsangaris ATTENBERG (2010) oder auch Maren Ades TONI ERDMANN (2016) gehen dabei über eindeutige Inszenierungen, d.h. die bloße Repräsentation von queeren Menschen entscheidend hinaus: Konstruktionen von Gender und Sexualität stehen zwar weiterhin im Fokus und werden zusätzlich verkompliziert, entziehen sich im Zuge dessen aber nunmehr selbst alternativen Kategorisierungen. Wie der Vortrag anhand konkreter Beispielanalysen aufzeigen möchte, erreicht die filmische Performativität in ihrer komplexen Charakterisierung von weird people, aber eben auch einer übergreifenden Ästhetik des Absurden eine neue Qualität zeitgenössischer Audiovisualisierungen von Andersartigkeit.

Literatur

Butler, J. (2012): „Critically Queer“, in: Hall et al. [Hg.] Routledge Queer Studies Reader, New York/London 2013
Psaras, M.: The Queer Greek Weird Wave, Cham/CH 2016
Rich, B. R.: „Queer and Present Danger“, in: Sight & Sound 10.3, 2000


Tullio Richter-Hansen. Promotion (Dr. phil.) zur Ästhetik und Politik des US-Spielfilms nach 9/11 an der Goethe-Universität Frankfurt, Promotionsstipendium der Heinrich-Böll-Stiftung. Zuletzt Wissenschaftlicher Mitarbeiter/Lehrbeauftragter der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Laufendes Post-Doc-Projekt zur differenzialen Vernetztheit im Sportfilm. Aktuell Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Freien Universität Berlin. Weitere Schwerpunkte: Genretheorie, mediale Genderbilder, transdisziplinäre Differenzforschung.

Hubertus, Florian

“A Noble Myth Embiggens the Smallest Man”

The Significance of the Frontier Myth in Contemporary American Culture and Its Deconstruction in The Simpsons

Since Europeans started flocking to the new world, there has been the idea of the West. Every one has been in contact with the American West. The West is an elementary part of Americas’ self-understanding, of its history and culture. In this context another term must discussed as well: The frontier. It moved mainly from east to west, as the settlers made their way through the American continent, pushing further and further until there was nowhere left to go. From frontier it is not far to what is usually referred to as the frontier myth. For the paper’s discussion the concept of the myth, the frontier myth in particular, is very important.

The paper will discuss how history changed and blended into numerous versions of one “history” and how this affected the self-understanding of the American people. It will show that history is not a static, intangible post and that it is a mediated concept.

Another part of American (pop)-culture, besides the West, is the television series The Simpsons. No other television program has left its mark as highly visible in contemporary culture with its numerous levels of narration and possibilities of readings. In many episodes the frontier history of the USA is a recurring topic and embodied as a permanent reminder in the character of Jebediah Springfield, the founder of the town. He is the stand-in for all the countless frontier heroes trying to find a better place for themselves and his followers.

This paper will analyse how the creators of the program reflect on the topics of settlement, frontier myth and American history. By means of parody and satire the creators of The Simpsons compose a certain image of how concepts such as the West or the frontier myth are generally treated. It investigates how these concepts are treated in the series. It will then try to answer the question if those representations found in the show differ from the general idea of them and what effect its parody has on the audience. There are many episodes that deal with the topic of American settlement and its problems from a contemporary point of view.


Florian Hubertus, geboren 1982 in Frankfurt a.M. Abitur 2002, dann Zivildienst und Zeit für Reisen. Entfaltung der Liebe zur Fotografie. Ab 2005  Studium der Medienwissenschaft, Anglistik und Spanisch an der Universität Trier (Magister). Lange Musikredakteur einer lokalen Zeitung und TV Sendung. Arbeit für die Cinémathèque Luxembourg und das Luxembourg City Film Festival. 2013 Wechsel nach Berlin. Freiberuflich als Regieassistenz, Produzent und Journalist. Tätig für Filmfestivals wie Berlinale, Down Under Film Festival. Berliner Knotenpunkt von Cinema Jam und Mitgestalter eines Filmortes in Neukölln.

Tröger, Cornelia

Gesellschaftspolitische Diskurse im US-amerikanischen Tierhorrorfilm der 1950er bis 1970er Jahre

Die Tiere, die den Rezipienten der Horrorfilme der 1950er bis 1970er Jahre auf der Kinoleinwand gegenübergestellt wurden, sind ebenso vielfältig wie die politischen Diskurse und gesellschaftlichen Ängste, die sie repräsentieren. Um diese Vielfältigkeit verdeutlichen zu können, soll je ein Film aus jedem Jahrzehnt exemplarisch zur näheren Untersuchung herangezogen werden.

Entsprechend ihrer Eigenschaften konnten die in den Filmen auftretenden Tiere vom zeitgenössischen Zuschauer aufgrund des jeweiligen Entstehungskontextes jedes Werkes als Sinnbilder für diverse aus politischen Diskursen genährten sozialen Ängste decodiert werden.

Der s/w Horrorfilm “Tarantula“ von Jack Arnold aus dem Jahr 1955 thematisiert die Gefahren der Atomenergie auf Mensch und Umwelt. Hier mutiert eine gewöhnliche Spinne nach einem missglückten nuklearen Experiment zu einem gigantischen Monster. Im Gegensatz dazu greifen sowohl in Alfred Hitchcocks “The Birds“ aus dem Jahr 1963 als auch in Saul Bass‘ “Phase IV“ von 1974 optisch unauffällige, kleine und gewöhnliche Tiere wie Vögel bzw. Ameisen ohne erkennbaren Grund den Menschen an.

Diese drei ausgewählten Tierhorrorfilme sollen beispielhaft veranschaulichen, wie gesellschaftspolitische Diskurse mit dem Kino und Film interagieren. Das Ziel der Untersuchung soll sein, sowohl die zugrunde liegenden Ängste und Diskurse zu beleuchten, als auch ihre Repräsentation im Film umfassend zu analysieren. Die Zirkulationen zwischen den politischen bzw. gesellschaftlichen Diskursen und Film sollen dabei im Zentrum der Untersuchung stehen, ebenso wie das Zusammenspiel zwischen Zuschauer und Film, da ausschließlich durch die Rückbeziehung eines Filmes auf sein spezifisches historisches und kulturelles Umfeld seine unmittelbare soziale Relevanz herausgestellt werden kann.


Cornelia Tröger studierte Theater-, Literatur- und Musikwissenschaft an der Universität Bayreuth, anschließend begann sie dort ihre Promotion in Medienkultur und Medienwirtschaft bei Prof. Dr. Jürgen E. Müller. Die Dissertation trägt den Titel Kulturelle Diskurse der Angst im Horrorfilm – Perspektiven einer Funktionsgeschichte. Gefördert wird sie dabei durch die Hanns-Seidel-Stiftung e.V. und die bayerische Abteilung für Chancengleichheit.

Rothemund, Kathrin

Technik – Ästhetik – Wahrnehmung. Eine Theorie-Skizze audiovisueller Un|Schärfe

In Bewegtbilder der Un|Schärfe treten Aspekte des Medialen in den Vordergrund und eigenen sich daher für eine Beschäftigung mit medientheoretischen Fragen der Sichtbarmachung und der Aisthesis ebenso, wie sie eine Berücksichtigung technischer und ästhetischer Anordnungen einfordern. Un|Schärfe fungiert dabei häufig als eine Denkfigur audiovisueller Bildproduktion, in der sich metaphorische Felder mit epistemologischen oder auch anthropologischen Zugängen überlagern. Ein Forschungsprojekt zur Un|Schärfe bewegter Bilder bedarf somit eines diskursiven Zugangs und eine Theorie audiovisueller Un|Schärfe muss sich unweigerlich mit den aufnehmenden Techniken, den wiedergebenden Apparaturen, den ästhetischen Inszenierungsformen und den wahrnehmenden Subjekten beschäftigen. Im Rahmen des Vortrags soll skizziert werden, wie sich audiovisuelle Un|Schärfe in diesem Wechselverhältnis unterschiedlicher kulturtechnischer und aisthetischer Aspekte theoretisch rahmen lässt.


Kathrin Rothemund, Dr. phil., akademische Mitarbeiterin an der Professur für Medienwissenschaft der Universität Bayreuth. Studium der Medienwissenschaft, Amerikanischen Literaturwissenschaft und Angewandten Ethik an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, Promotion 2012 an der Leuphana Universität Lüneburg.

Forschungsschwerpunkte: Ästhetik der Un|Schärfe, Kosmopolitisches Kino und Fernsehen sowie Ästhetik und Narration zeitgenössischer Fernsehserien.

Publikationen (Auswahl):

  • Komplexe Welten. Narrative Strategien in US-amerikanischen Fernsehserien. Berlin 2013;
  • Für eine Theorie des kosmopolitischen Kinos. Literaturbericht und Forschungsprogramm, zusammen mit Matthias Christen, In montageAV, 24:1, 2015, S. 81–102.

Zimmermann, Uwe

Responsive Comic

Comics sind aus unserer Kultur- und Medienlandschaft nicht mehr wegzudenken — in neuerer Zeit auch durch die Begrifflichkeit ›Graphic Novel‹. Seit nunmehr mehr als hundert Jahren werden durch den Comic in (Print)medien, wie Zeitungen, Comic Books, oder Alben Geschichten erzählt. Innerhalb dieser Zeit haben sich Formen und Sprache des Storytellings und der Aufbau innerhalb der Gattung Comic entwickelt und herauskristalisiert. Diese werden von der Mehrheit der Rezipienten als Vokabular anerkannt und angewandt.

Mit der Entwicklung des World Wide Web, den Websites und den entsprechenden Ausgabegeräten wie PC, Tablet oder Smartphone entstand jetzt eine weitere Möglichkeit Comics bzw. Geschichten den Leser*innen zu vermitteln. Aber haben sich die Erzählstrukturen, die Art des Storytellings an die Bedingungen des ›neuen‹ Mediums angepasst? Kann der erlernte Umgang des Lesens eines Comics aus der ›Print-Welt‹ übernommen werden?

In unserem (Lese-)Alltag benutzen wir diese ›neuen‹ Techniken wie Websites und Apps auf Smartphones, Tablets und PCs ganz selbstverständlich. Die Technik ›Responsive Webdesign‹ ermöglicht es, dass sich die Inhalte einer Website an das Ausgabegeräte (Smartphones, Tablets oder PCs) anpassen und für dieses jeweils optimiert dargestellt werden. Ist diese Anpassung an das Ausgabegerät für Comics auch möglich? Oder wie müssen Comics inszeniert werden, damit sie sich responsive zum digitalen Ausgabegerät verhalten? Welche Anforderungen ergeben sich dadurch für die Produktion und Publikation digitaler Comics? Welche neue Chancen und Möglichkeiten bieten für Erzählstrukturen und Storytelling im (digitalen) Comic?

In meinem Vortrag möchte ich auf die oben genannten Fragen eingehen und darstellen wie es möglich sein kann Comics responsive für Webseiten zu inszenieren.


Uwe Zimmermann, Diplom-Designer [FH] und Animationsdesigner, geboren 13. Dezember 1967, Karlsruhe, verheiratet, zwei Kinder.

Berufsausbildung

  • 2000    Animationsdesigner, animation-school-hamburg
  • 1998    Diplom-Designer [FH], Hochschule Mannheim

Berufserfahrung

  • seit 2011         Lehrkraft für besondere Aufgaben
  • 2007—2011    Lehrbeauftragter
  • 2001—2011    Dozent für Mediengestalter*innen
  • seit 1998         Selbstständiger Diplom-Designer

Fachvorträge

  • Comic — Responsive Webdesign
  • Comic — Typografie
  • Konzeption von Online Medien

Petraitis, Marian

Geschichte(n) von der Straßenecke:  die Dokumentarfilmreihe Berlin – Ecke Bundesplatz

Das dokumentarische Langzeitprojekt Berlin Ecke-Bundesplatz von Hans-Georg Ulrich und Detlef Gumm widmet sich von 1986 bis 2012 dem Bundesplatz im Berliner Stadtteil Wilmersdorff sowie dessen Anwohnern. In 26 Jahren Projektzeit entsteht ein bemerkenswerter Umfang an filmischem Material: 62 Filme – in Form halbstündiger Episoden bzw. Langfilmen  – mit einem Sendevolumen von rund 55 Stunden, die von den Lebenswegen von rund 30 Protagonisten erzählen und Berliner Stadtgeschichte schreiben, indem sie sich um den Bundesplatz als «lieu de mémoire» im Sinne Pierre Noras figurieren.

Mit einer «Geschichtsschreibung von unten» eröffnen Dokumentarfilmprojekte wie Berlin – Ecke Bundesplatz einen alternativen Zugang zu Geschichte: einschneidende Ereignisse wie den Mauerfall erzählen die Projekte nicht über die bekannten, ins kollektive Gedächtnis eingegangenen Bilder, sondern über Alltagsbilder vom gesellschaftlichen Rand, aus der großstädtischen Peripherie. Sie emanzipieren sich von totalen Geschichtsprozessen, transformieren einschneidende gesellschaftliche Ereignisse in lokale, partikulare Geschichten.

Die Möglichkeit, Geschichtsprozesse sichtbar zu machen, verdankt das Projekt seiner Standortgebundenheit und seiner Form der Dauer – seiner Langzeitigkeit –, die Berlin – Ecke Bundesplatz für die Historiographie privilegieren. Das explizit filmische Potenzial der Geschichtsschreibung – und ein dokumentarischer Wert der Filme– liegt dann gerade darin, im Bewegtbild und mittels Montage einen Zeitfluss in sich verändernden Gesichtern und Häuserfassaden ansichtig werden zu lassen.

Der Vortrag stellt am Beispiel Berlin-Ecke Bundesplatz historiographische Potenziale von Langzeitdokumentarfilmprojekten vor und geht auf die formalästhetischen Besonderheiten sowie auf Fragen ein, die sich aus der besonderen Rezeptionssituation solcher Projekte ergeben.


Marian Petraitis, M.A. seit 2013 wissenschaftlicher Assistent, Doktorand, Lehrbeauftragter am Seminar für Filmwissenschaft der Universität Zürich. Dissertationsprojekt zu historiographischen Praktiken des Alltags im gegenwärtigen Dokumentarfilm. Mitherausgeber des CINEMA-Jahrbuches. Zuletzt erschienen: «Am Rande der Geschichte, wie man so sagt – Fragmente aus dem wiedervereinigten Deutschland in den Langzeitdokumentarfilmen Neues in Wittstock, Katrins Hütte und Stau – Jetzt geht’s los» (2016).

Sulzenbacher, Stefan

Posttelevisuelle Selbsttechnologien männlichkeitskritisch betrachten

Der Vortrag stellt die zentralen theoretischen wie methodischen Überlegungen meines Dissertationsprojekts vor. Dieses zielt auf eine medienwissenschaftliche und pro_feministische Auseinandersetzung mit „posttelevisuellen Serialitätsdispositiven“ anhand aktueller audiovisuell-serieller Narrative. Der Fokus liegt dabei auf männlich-vergeschlechtlichenden Subjektivierungen durch posttelevisuelle Selbsttechnologien, durch mediale Praxen also, die zwar alltagsweltlich immer noch unter dem Begriff „Fernsehen“ subsumiert werden, jedoch nicht (mehr) an ein eindeutig bestimmbares Medium gebunden sind.

Entsprechende Entwicklungen der Transformation, Multiplikation und Rekonfiguration von „Fernseh(seri)en“ wurden in jüngeren wissenschaftlichen Auseinandersetzungen aus unterschiedlichsten, jedoch meist klar voneinander abgetrennten Perspektiven untersucht. Ziel des Forschungsprojektes ist es im Gegensatz dazu, Phänomene (post-)televisueller Serialität und die damit einhergehenden Konstruktionen von Geschlecht aus einer umfassenden Perspektive zu beleuchten, die sich nicht auf innertextliche Bedeutungsebenen begrenzt, sondern systematisch versucht, deren Verschränkungen mit medientechnischen Formen und sozio-technischen, kulturellen und politischen Produktionsbedingungen in den Blick zu nehmen. Dies soll durch eine erstmalige Behandlung des Gegenstandbereiches unter männlichkeitskritischen, akteur_innen-netzwerk-theoretischen und dispositivanalytischen Vorzeichen geleistet werden.

Anhand der Analyse ausgewählter audiovisuell-serieller Narrative – u.a. House of Cards (Netflix, 2013- ), Transparent (Amazon, 2014- ), Breaking Bad (AMC, 2008-2013) und Fargo (FX, 2014- ) – besteht das übergeordnete, kulturwissenschaftliche Anliegen des Forschungsprojekts schließlich in der Auseinandersetzung mit aktuellen Ausverhandlungen und gegenseitigen Konstitutions- sowie De- und Restabilisierungsprozessen der Konzepte „Fernsehen“ und „Männlichkeit“, die sich gegenwärtig beobachten lassen.


Stefan Sulzenbacher ist seit 2015 DOC-Stipendiat der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. In diesem Rahmen ist er als Projektmitarbeiter am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Uni Wien beschäftigt, wo er zu posttelevisuellen Selbsttechnologien promoviert.

Seine Forschungsinteressen umfassen Serialitätsforschung, Diskurs- und Dispositivanalyse, mediale Gouvernementalitätsstudien und Gender Studies mit Fokus auf kritischen Auseinandersetzungen mit Männlichkeiten.

Chaplot, Isabelle

Terrains vagues als narrativ-ästhetischer Bezugspunkt in Pasolinis Filmwerk

In meinem Vortrag soll es um das filmische Werk Pasolinis – exemplarisch die Frühwerke ACCATTONE und MAMMA ROMA – und die Rolle der Terrains Vagues (Wastelands, Übergangszonen zwischen Stadtrand und Land) gehen. Die frühen Filme Pasolinis spielen in den Randzonen Roms, kurz vor dem Übergang zwischen der großen Stadt und dem Land, zumeist vor dem Panorama der Neubauten faschistischer oder postfaschistischer Wohnungsbauprojekte. Ein signifikanter Teil des Geschehens spielt sich dabei in den verwahrlosten Zonen, den Terrains Vagues, die direkt an die letzten Mietskasernen angrenzen, ab.

Meine allgemeine Ausgangsthese ist, dass diese Räume in ihrer Funktion als Lücke und in der Unbestimmtheit städtischer oder zivilisatorischer Gliederung, die sich in ihnen ausspricht, eine Projektionsfläche für einen bestimmten Teil des Geschehens im Film bietet: sie sind die Orte, an dem die peripheren Existenzen miteinander ihr Spiel der geheimen Verführungen und Versprechen, der Verabredungen, aber auch der Kämpfe spielen. Sie sind der Ort des Geheimnisses und haben etwas Archaisches – wobei beides durch die Gegenwart der Reste römischer Baukunst in diesem Gebiet untermauert wird. Es scheint so, als würden die Terrains Vagues eine eigene narrative Rolle annehmen, welche über diejenige der Sozial- und Konsumkritik Pasolinis im Bereich des Inneren der urbanen Randzonen hinausgeht: In beiden Filmen verweist Pasolini auf das Absterben der Heterogenität und des Sich-Entziehenden indem er eine Geschichte erzählt die mythische Züge trägt. Die beiden Protagonisten in ACCATTONE und MAMMA ROMA können insofern als moderne Heiligenfigurationen verstanden werden,  als dass sie durch ihren stellvertretenden Tod – stellvertretend für alle die, die unter den Lügen der bürgerlichen Konsumwelt leben müssen –, also durch diese Opferfunktion die Frage nach der Möglichkeit anderer Alternativen als der zwischen Elend und Beherrschung (durch die Konsumkultur) stellen. Den Terrains vagues – und das ist mein Hauptpunkt – kommen dabei eine bedeutende Rolle zu: Ihre hybride Gestalt  spiegelt auf besondere Art das Spannungsgefüge zwischen der Unfreiheit der Armut und jener der Gleichförmigkeit der bürgerlichen Welt, dem die Protagonisten ausgesetzt sind und dies macht diese Orte zu Reflexionsräumen.


Isabelle Chaplot studierte Kulturwissenschaftliche Medienforschung und European Film and Media Studies an der Bauhaus Universität Weimar, der Université Lumière Lyon II sowie der Universiteit Utrecht.

Nach beruflichen Stationen in der Filmbranche und im Verlagswesen ist sie seit September 2016 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Seminar für Europäische Medienwissenschaft der Hochschule und Europa-Universität Flensburg. Sie forscht zurzeit an Ihrem Promotionsvorhaben mit dem Titel: „Der Heilige Mensch: Aspekte von kinematographischer Erinnerung im europäischen Nachkriegskino“.

Forschungsinteressen: Medienkultur, Medientheorie, Filmtheorie (insbesondere: italienischer Neorealismus, europäisches Nachkriegskino, Early Cinema, Japanisches Kino), Kulturwissenschaftlich orientierte Film- und Medienwissenschaft

Köller, Susanne

„The past is not my concern.“ – Die Serialität von Absenz und Präsenz in Peaky Blinders

Peaky Blinders ist eine Serie, die in ihrer Hybridität (Genre, Form, Distribution) wie wenige andere Ausdruck der zunehmenden narrativen Komplexität (Mittell) von Fernseherzählungen ist. Als historische Fiktion bedient sie sich einer Reihe von (Re-)Präsentationsformen, welche einen Bruch mit etablierten, formelhafteren „period dramas“ darstellen und im Zuge dessen das Potential einer ganz neuen Perspektive auf die dargestellte Vergangenheit, deren Vergeschichtlichung und Narrativisierung entwickeln.

In meinem Vortrag möchte ich ein Kapitel meiner Dissertation skizzieren, welches sich im Kern mit der Verflechtung von Form und Inhalt, von Merkmalen narrativer Komplexität und Serialität, sowie der Möglichkeit und Hinterfragung televisueller, postmoderner, historischer Fiktionen in serieller Form befasst. Hierfür werde ich speziell über die komplexe Darstellung von Absenz und Präsenz als Ausdruck eines mehrdimensionalen Vergangenheits- und Geschichtsbegriffs, zirkulär wiederkehrender, bzw. niemals tatsächlich endender, historischer Ereignisse, sowie als zentrale Eigenschaften serieller Narrative sprechen. Das titelgebende Zitat des Protagonisten Thomas Shelby – „The past is not my concern. The future is not my concern anymore either“ – steht hierbei repräsentativ für dessen unüberwindbare Dualität von Absenz (Vergangenheit und Zukunft) und Präsenz (Gegenwart), welche sich formal kumulativ als Wiederholung mit Variation äußert und den Text so zunehmend komplexer werden lässt.


Susanne Köller ist wissenschaftliche Mitarbeiterin und Doktorandin am Lehrstuhl für Englische Literatur und Allgemeine Literaturwissenschaft an der Universität Konstanz. Sie schreibt ihre Dissertation zur Narrativisierung historischer Ereignisse in komplexen, kontemporären Fernsehserien und lehrt im Bereich Fernsehserien und Serialität. Ihren M.A. hat sie am John F. Kennedy-Institut der Freien Universität Berlin in Nordamerikastudien mit den Schwerpunkten Kultur und Geschichte mit einer Arbeit zu 1968 in Mad Men abgeschlossen.

Cabrera, Dolores

Die Leidenschaften des Vampirs im Film und ihre Funktion in den deutschen und mexikanischen Kulturen

In diesem Vortrag werde ich eine kurze Beschreibung meines Forschungsprojekts, eine kurze Erfassung der theoretischen und metodologischen Aspekten, die in der Forschung verwendet wurden, machen und ich werde ein Beispiel der Analyse der Konstruktion der Leidenschaften, die mit dem Vampir im Film assoziiert sind, zeigen.

Das Thema dieses Vortrags zeigt einige der Ergebnisse meiner Dissertation bezüglich der Konstruktion der Figur des Vampirs in mexikanischen und deutschen Filmen (Nosferatu: Eine Symphonie des Grauens von F. W. Murnau, M – Eine Stadt sucht einen Mörder von Fritz Lang, El vampiro und El ataúd del vampiro von Fernando Méndez). Die Forschung ist eine komparative Studie deutscher und mexikanischer Vampirfilme, in der ich kulturelle, ästhetische und linguistische Aspekte forsche, um die Figur des Vampirs zu analysieren.

Einer der wichtigsten Elementen dieser Forschung ist die Identifizierung und die Analyse der Leidenschaften, die als Motivation des Charakters im Film funktionieren. Um die affektive Dimension des Vampirs zu analysieren, nutze ich eine semiotische Perspektive (Theorie der Leidenschaften von Algirdas J. Greimas) in Kombination mit der Analyse des Dirkurs von Jacques Fontanille und die Elemente der kinematographischen Sprache. In diesem Sinne geht es um eine interdisziplinäre Studie, die relevant für die Filmwissenschaften und die andgewandten Linguistik bzw. Semiotik ist.

Die Analyse der Leidenschaften ist vor wenigen Jahren ein zentrales Thema für die Semiotik, die Narratologie und die Medien- und Filmwissenschaften geworden. Ebenfalls ist ein aktuelles Thema der Filmwissenschaften die Untersuchung und Analyse der narrativen Struktur des Films, ein medulläres Aspekt meiner Forschung, die auch essenziel für die Identifikation der Leidenschaften und die verbalen, auditiven und visuellen Elemente, sowie filmischen Merkmalen (Kamerabewegungen, Kameraeinstellungen, usw.), die mit der Konstruktion der Emotionen verbunden sind.

Mit der Studie einer stabilen narrativen Struktur der Vampirfilm zeige ich, dass nicht nur bestimmte Leidenschaften wie „Dominanz“, „Gier“ oder „Lust“ mit dem Vampir verbunden sind, sondern auch, dass diese und andere Leidenschaften narratologisch oder syntagmatisch strukturiert in der filmischen Erzählung sind. In diesem Sinne analysiere ich die Serie Leidenschaften oder Emotionen, die am Anfang, in der Mitte und am Ende der Erzählung oder des narrativen Weges des Vampirs im Film gezeigt und produziert sind, d.h., eine Art von Emotionenkette, die die Serie der Aktionen des Charakters begleitet und ermöglicht. Diese Emotionenkette ist auch mit der Erzeugung der Bedeutung in jedem Film verbunden. In dieser Hinsicht ist die Vampirfigur eine Repräsentation von Ängsten oder Absichten in jeder Kultur, die durch spezifische Emotionen und Aktionen dargestellt wird.

Letztlich zeige ich, wie dieser theoretischer und metodologischer Vorschlag aus einer Greimasian Semiotik, der noch in einem empirischen Zustand ist, nützlich ist, um die narrative Struktur und die Konstruktion einer affektiven Dimension im Film und anderen Medien zu verstehen.


Akademische Leistungen

Dr. Dolores Cabrera ist Mexikanerin und hat Literatur und Geschichte in der Benemérita Universidad Autónoma aus Puebla, Mexiko studiert. In Januar dieses Jahres hat sie in der Universität Bremen mit einer Forschung über Semiotik und Film im Fachbereich Sprach- und Literaturwissenschaften als Stipendiatin des DAAD promoviert.

Ihre Forschungsschwerpunkte sind: Didaktik der spanischen Sprache, Mexikos Literatur und Geschichte, Kultur- und Mentalitätengeschichte, Narratologie, Semiotik des Films und Vampirfilme.

Sie hat zwei Forschungen in Geschichte und Literatur durchgeführt: „Die Verwendung von mündlichem und schriftlichem Code im Chat“ (2001), „Die Konfiguration der Held im Roman Madero, el otro, von Ignacio Solares“ (Diplomarbeit, 2003) und „Helden, grafische Darstellung und kollektive Imaginären: eine Analyse der heroischen Bilder von Francisco I. Madero“ (Masterarbeit, 2008). Letztlich hat sie ihre Dissertation mit dem Titel „The Filmic Construction of the Figure of the Vampire in Murnau, Lang and Méndez: An Analysis with Greimasian Semiotics“ erledigt.

Sie ist ein Mitglied der Forschungseinrichtung „México-Francia: presencia, influencia, sensibilidad“ seit 2006 und während ihrer Promotion war sie ein Mitglied der Forschungsgruppe „Textualität des Films“ unter Betreuung des Professors John Bateman im Bremischen Instituts für transmediale Textualitätsforschung der Universität Bremen.

Berufliche Leistungen

Sie hat als Spanisch- und Französischlehrerin in verschiedenen Instituten und Universitäten in Mexiko gearbeitet. Nebenbei hat sie als Professorin und Wissenschaftlerin von Geschichte und Kriminologie gearbeitet und sie hat die Organisation der Ausbildung und Auffrischungskurse für Lehrer im Instituto de Ciencias Forenses y periciales del Estado de Puebla, A.C. (Forensic Sciences Institut und Experten von Puebla, Mexiko) betreut.

Zusätzlich hat sie als Übersetzerin von Didaktik-Büchern und Artikeln von Semiotik für die Magazin „Tópicos del Seminario“ der Benemérita Universidad Autónoma aus Puebla, Mexiko gearbeitet.

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